Urner Ambri-Fans feiern ihren HCAP gleich dreifach

Urner Ambri-Fans feiern ihren HCAP gleich dreifach

80 Jahre HC Ambri-Piotta, 40 Jahre Fanclub Uri und 15 Jahre Donatoren-Club dc-hcap. Die Urner Ambri Fans feiern am 10. Juni in Altdorf zusammen mit der 1. Mannschaft und ehemaligen HCAP Stars die verschiedenen Jubiläen. 2017 ist ein ganz spezielles Jahr für den HCAP und viele seiner Sympathisanten und Fans, denn der Traditionsverein kann sein 80-jähriges Jubiläum feiern. Der sympathische Dorfklub spielt seit der Saison 1985 ununterbrochen in der höchsten Schweizer Eishockeyliga, nur der EHC Kloten spielt noch länger in der NLA. Auch die beiden Unterstützungsvereine "Fanclub Uri“ und "Donatoren-Club HCAP“ feiern im 2017 ein Jubiläum. Der Fanclub Uri besteht bereits seit 40 Jahren, der Donatoren-Club seit 15 Jahren. Grund genug die drei Jubiläen gebührend zu feiern.

80 Jahre HC Ambri-Piotta – ein Mythos entsteht

Es war im Dezember 1936, als man in der tief verschneiten Leventina, in den beiden Dorfweilern Ambri und Piotta erstmals von Eishockey sprach. Schnell wurde die Idee einer Freizeitsbeschäftigung im kargen Winter durch Eishockeyspielen in die Tat umgesetzt. Man trug über die Weihnachts-Festtage bereits Freundschaftspartien gegen andere Plausch-Teams aus. Am 19. September 1937 schlug auf der Pista di Cava offiziell die Geburtsstunde für den Hockey Club Ambri Piotta. In den 1950er-Jahren spielte die Mannschaft des damaligen Dorfklubs erstmals in der Nationalliga A und gewann 1962 unter dem Trainer Herbert Ulrich den Schweizer Cup. 1948, 1949, 1950 und 1970 wurde der HCAP Meister der NLB. Ebenfalls 1970 stieg man in die NLA auf und war dort bis zum Abstieg 1978 vertreten. Gegründet 1937, seit 1985 ohne Unterbruch in der Nationalliga A ist der Klub einer der traditionsreichsten im Schweizer Eishockey. Sein Ruhm aber gründet nicht auf Erfolgen, sondern auf Mythen, die ihn umgeben und die schon zigmal wiedergegeben wurden. Es ist zum Beispiel die Geschichte von Andy Bathgate, dem ersten NHL-Star, der sich in den 1970er Jahren nach Ambri verirrt hatte und erstmals die Massen begeisterte. Es sind Geschichten der Kanadier, die unversehens auf Grosseltern im Kanton Uri oder Tessin gestossen sind. Denn in den 70er und frühen 80er Jahren war Ambri eine typische Liftmannschaft und personelle Engpässe löste man mit Bauernschlauheit. In diese Zeit fällt der Beginn des Engagements von kanadisch-schweizerischen Doppelbürgern bei den Leventinern. Spieler wie Misko Antisin, Rick und Mike Tschumi, Keith Fair, John Fritsche, die Gebrüder Bob und Michel Martin und die Torhüter Bryan Daccord und Peter Martin trugen alle mit mehr oder weniger Erfolg das Blau-Weisse Ambri Dress. Mit Kanada-Schweizern löste der Club dadurch den personellen Notstand, denn eine Juniorenförderung wie man sie heute kennt, gab es damals noch nicht. Ein nicht zu unterschätzendes Unterfangen für die einbürgerungswilligen Mike Kaszycki, Michel und Bob Martin eine Schweizer Verwandtschaft zu finden. In der Person des Altdorfer Gemeindeschreibers und Zivilstandsbeamten Edi Inderbitzi verfügte der HCAP aber nicht nur über einen gewieften Journalisten für die Deutschschweiz, sondern auch ein Herr über die Archive der Zivilstandsämter. Edi Inderbitzi hatte seinem Lieblingsverein häufig auch dann die benötigte Grossmutter oder Tante gefunden, wenn es die Konkurrenz aus Visp, Langnau oder Olten die Suche schon lange aufgegeben hatte. An Tagungen der Zivilstandsbeamten wurde Inderbitzi dann auch gerne als Schweizermacher verhöhnt. Oder auch die Geschichte ein paar schöner Erfolge wie die beiden Continental-Cup Siege und eines Misserfolgs, wie er nicht grösser hätte sein können: der verlorene Play-off-Finals 1999 gegen den ewigen Erzrivale aus Lugano. Kurz nach der erfolgreichen Saison 1998/99 kamen erneut finanzielle Probleme auf den Verein zu. Eine Spendenaktion unter Fans ergab einen Betrag von 2,5 Mio. Fr. – weitere 2 Mio. Fr. wurden von prominenten Gönnern bereitgestellt – was den Erhalt der Mannschaft in der höchsten Spielklasse des Schweizer Eishockeys sicherte. Nachdem in der Saison 2010/11 der Abstieg nur knapp verhindert werden konnte, wurde ein erneuter Spendenaufruf gestartet. Fans und Supporter sammelten innert wenigen Monaten 2,7 Mio. Franken. Im Jahre 2012 beteiligte sich der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris mit 1 Mio. Franken an der anstehenden Kapitalerhöhung. 2009 wurde der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi neuer Präsident des Verwaltungsrates und probiert seit seiner Amtseinsetzung das Schiff HCAP nicht untergehen zu lassen. Ambri steht aber auch für die «La Montanara» das Lied der Heimat. Es wird in der Valascia erst gesungen, wenn der Sieg gesichert ist. Immer noch der feierlichste Moment im Welteishockey, wie es Eishockeyexperte Klaus Zaugg auszudrücken weiss.

Urner Ambri Fans gründen 1977 Fanclub

Unsere Urner Vorfahren zogen einst in die Leventina, ohne dort auf eitel Freunde zu stossen. Vergessen sind die kriegerischen Vorfahren, welche die Leventina mit zum Teil grausamen Methoden in Schach zu halten versuchten. Heute hat sich vieles verändert, denn es ziehen Jahr für Jahr immer noch hunderte von Urnern, sobald als die Eishockey-Saison beginnt, ebenfalls in die Leventina. Ihre Reise führt nach Ambri in die Valascia dem Stadion des HC Ambri-Piotta. Die Besuche sind heute aber von friedlicher Natur und die Urner gern gesehene Gäste, denn sie helfen nebst der moralischen Unterstützung der Mannschaft auch die Clubkasse des HCAP zu füllen. Seit vielen Jahren zieht die Faszination des Eishockeys in Ambri die Zuschauer immer wieder in seinen Bann. Jeweils zu tausenden pilgern Fans diesseits und jenseits des Gotthards nach Ambri, um die berauschende Stimmung in der Valascia „live“ zu erleben. Die Spiele in Ambri fanden in den 50 und 60er Jahren ausnahmslos am Sonntagnachmittag statt. Die grosse Verbundenheit der Ambri-Fans entstand auch wegen der gemeinsamen Hin-und Rückfahrt im Extrazug der SBB. In den 60er und 70 er Jahren war es nicht immer ganz einfach von Ambri wieder nach Hause zu kommen. Stolz war man sicher auch, weil einer der „Unsrigen“ den Sprung in die 1. Mannschaft der BiancoBlu schaffte. Der Erstfelder Fritz Grünig stand während 1966 bis 1971 im Tor der Leventiner. Damals war er zusammen mit dem kanadischen Spielertrainer Bob Hall der einzige Auswärtige im Team. Im Jahre 1977 wurde der Ambri Fan Club Uri gegründet. Angelo Imholz als erster Präsident, Edi Schilter (Kassier), Cornelia Tramonti als Sekretärin und Heinz Gisler (Beisitzer) gingen als erster Vorstand in die Geschichte ein. Zweck und Sinn des Fanclubs war eine Vereinigung der Ambri Fans aus dem Urnerland sowie moralische und finanzielle Unterstützung des HCAP. Ein Jahr zuvor organisierten Angelo Imholz und Armin Braunwalder aus Eigeninitiative schon Carfahrten an die Auswärtsspiele. Die Fahrten waren auch stets ausgebucht. Um den Fans auf den langen Busreisen die Zeit zu verkürzen wurden im Vorfeld Spielerinterviews gemacht, auf Kassette aufgenommen und im Bus abgespielt. Die Ambri-Spieler waren auch öfters im Kanton Uri anzutreffen sei es für eine Autogrammstunde oder auch für den Ausgang. Der ehemalige Spitzentorhüter Andy Jorns erinnert sich gerne an diese Zeit: „Wir waren damals eine verschworene Einheit und waren auch stets im Urnerland anzutreffen. So war zum Beispiel der Maskenball im Bahnhofbuffet von Göschenen ein absolutes Muss. Von unserem Team wusste stets einer was im Urnerland Ausgangs mässig läuft“. Eines ist geblieben wie zur Gründungszeit. Die Urner Ambri Fans reisen auch heute noch an die Auswärtsspiele. Doch die teilweise sehr schwankenden Teilnehmerzahlen an die Auswärtsfahrten hängen immer wieder mit dem sportlichen Auf und Ab des Leventiner Eishockeyvereins zusammen. Zur Tradition gehört auch für die Mitglieder des Fanclubs das Week-End in Davos. Dieses soll auch mit einem Ambri Mythos belegt sein. Augenzeugen zur Folge könnten da während der Fasnachtszeit die Narrenblätter einiger Urner Gemeinden mit Geschichten aus Davos für einige Lacher sorgen. Der aktuelle Fanclub Präsident Benjamin Tresch freut sich auf alle Fälle auf den dreifachen Jubiläumsanlass: „Für mich ist es speziell ist, dass ein solcher Klub in einem kleinen Tessiner Bergdorf seit 80 Jahren überleben kann und jede Saison eine schlagkräftige NLA Mannschaft in die Saison schicken kann. Mal mit weniger, mal mit mehr Erfolg. Mal mit weniger, mal mit mehr Schulden. Aber Ambri ist für mich ein Heiligtum.“

Donatorenclub unterstützt seit 15 Jahren den HCAP

Schon immer hatte der Hockey-Club Ambri-Piotta finanziell zu kämpfen und musste sich mit grossem Kampf und grosser Leidenschaft auf und neben dem Spielfeld gegen die finanzstarken Grossklubs aufbäumen. Motiviert durch den grossen Erfolg der Rettungsaktion „Aiuta Ambri“ wurde im September 2002 der Donatoren-Club HCAP gegründet. Dem ersten Vorstand, welcher sich aus Beat Musch, Angelo Imholz und Werner Aschwanden zusammensetzte, war es in einer kurzen Zeit gelungen, diverse Mitglieder und Sponsoren aus der Innerschweiz zum Mitmachen zu überzeugen. Zweck des Vereins ist es, den HC Ambri-Piotta finanziell und moralisch zu unterstützen und einen kleinen, aber nachhaltigen Beitrag zu leisten, damit der Leventiner NLA-Club längerfristig einer gesicherten Zukunft entgegen sehen kann. Daneben sollen die Kameradschaft untereinander gefördert und die Verbindung zur ersten Mannschaft mit einem jährlichen Treffen gefestigt werden. Die Höhepunkte des Donatoren-Clubs waren in der Vergangenheit ein Plauschfussball-Match, der regelmässig über 600 Zuschauer anlockte. Die Spieler des HCAP duellierten sich jeweils gegen eine Urner Prominenten-Auswahl. Später machte das schlechte Wetter den Organisatoren öfters einen Strich durch die Rechnung und als Alternative wurde das Duell Ambri gegen Uri auf Rollschuhen in der Rollschuhhalle in Seedorf ausgetragen. Der Vorstand lancierte einen Jahreskalender mit Aufnahmen einiger Ambri-Stars, der jeweils über 10'000.- Franken Gewinn einbrachte, welcher der HCAP-Juniorenabteilung zu floss.

Dinner mit Jesse Zgraggen ein riesen Erfolg

Äusserst stolz ist man beim Donatoren-Club, dass es gelungen ist dem jungen Kanada Urner Jesse Zgraggen die Möglichkeit zu geben sich beim HCAP zu profilieren und so den ersten NLA Vertrag einzuheimsen. Jesse Zgraggen zeigt sich auch dem dc-hcap sehr verbunden und geniesst jeweils sein „Jesse Zgraggen Dinner“ welches zu Ehren des sympathischen und bodenständigen Kanadiers aus Lethbridge mit Wurzeln in Flüelen viel Publikum anzieht. Innovativ zeigt sich der Vorstand des dc-hcap mit neuen Ideen. Eishockey mit dem HC Ambri-Piotta auf Grossleinwand im Kino hiess das Motto den beiden letzten Saisons. Die übertragenen Spiele lockten über 250 Eishockey Fans in den Saal des Kino Leuzinger. Perfekt organisiert vom Vorstand standen in den Pausen Talkgäste wie Corsin Camichel (7 Saisons beim HCAP) oder der grosse Ambri Fan und Spitzenschwinger Martin Grab Red und Antwort. . Seit mehreren Jahren ist es Brauch dass die Eishockey-Fans der SBU einmal während der Hockey-Saison mit dem HCAP mitfiebern. Eingeladen wurden die Angehörigen der SBU vom ehemaligen HCAP-Verwaltungsratsmitglied Ferdi Muheim und vom Donatoren-Club HCAP Präsident Michael Gisler. Diese spezielle Geste wird von den Hockey-Fans der SBU jeweils rege genutzt. Eingetragen sind aktuell 175 Mitglieder welche Ambri moralisch und finanziell unterstützen. Somit hat sich die Mitgliederzahl in den letzten 5 Jahren mehr verdoppelt. Waren bis vor ein paar Jahren vornehmlich Urner Donatoren und Firmen das Grundgerüst des Vereins, konnte man dank guter Überzeugungsarbeit der jeweiligen Botschafter neue Mitglieder in den anderen Innerschweizer Kantonen dazu gewinnen.. Insgesamt sind in den letzten 15 Jahren über 500`000 Franken in die Leventina geflossen. Für den amtierenden Präsidenten des Donatoren-Club Michael Gisler ist klar: „Die Wertschätzung der Verantwortlichen aus Ambri unserem Verein gegenüber, bestärken unseren Willen, auf diesem Weg weiterzufahren. Der Donatoren-Club versteht sich als Ergänzung zu den Fanclubs und Hauptgeldgebern des HC Ambri-Piotta. Mit sämtlichen Supportern suchen wir den Austausch, um Synergien zur Stärkung des Clubs zu nutzen.“

Attraktives Rahmenprogramm

Für das dreifache Jubiläum hat sich das OK einiges einfallen lassen. So gibt es am Nachmittag des 10. Juni ab 13.30 Uhr auf dem Lehnplatz in Altdorf eine „Schnitzeljagd“. Dabei geht es für die Fans und Passanten darum, aufgrund einer Dorfkarte diverse Geschäfte zu besuchen, wo sie auf Ambri-Spieler treffen werden und sich gegen diese in kleinen Duellen (z.b Darts, Tischfussball, Quiz und Geschicklichkeitsspiele) messen können. Zu gewinnen gibt es Preise im Gesamtwert von CHF 4’000.-. und unter anderem 2 HCAP Saisonkarten. Auf dem Lehnplatz gibt es eine gediegene Kaffeestube mit musikalischer Unterhaltung und Werbestände, Fanshop und weitere Attraktionen. Die Teilnahme am Wettbewerb ist gratis. Am Ende der Schnitzeljagd findet auf dem Unterlehn die Rangverkündigung statt. Die Spieler der ersten Mannschaft stehen nochmals für „selfies“ und Autogramme zur Verfügung. Das attraktive Abendprogramm startet ab 19.00 Uhr im Mehrzweckgebäude Winkel in Altdorf. „Blau für Blau“ heisst das Motto der Abendveranstaltung. Für nur 100 Franken kann man dabei sein und ein feines 3-Gang-Menü geniessen, welches im Preis inbegriffen ist. Die 1. Mannschaft wird sich unter die anwesenden Fans mischen. Auch ehemalige Ambri-Legenden werden anwesend sein. Unter anderen haben Luca Cereda, Pauli Jaks, Paolo Imperatori und Kuki Zamberlani zugesagt. Der Gala-Abend wird vom ehemaligen Radio Pilatus Pionier Andy Wolf, selbst eingefleischter Ambri-Fan moderiert. Nähere Infos und Anmeldung unter: www.dc-hcap.ch.

Text & Fotos: André Sägesser

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