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Saisonvorschau 2014/2015

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Von André Sägesser

Auf dem Papier präsentiert sich der HC Ambri-Piotta Ausgabe 2014-15 kräftiger und  ausgeglichener. Ambri ist für die 78. Saison der Clubgeschichte bereit. Zum Meisterschaftsauftakt ist es aber enorm wichtig, einen guten Start hinzulegen. In der neuen Saison sind die Playoffs wieder möglich.

 

Mit Platz 7 und dem Erreichen des Viertelfinals der Playoffs übertrafen die Leventiner ihre Saisonvorgaben. Im Viertelfinal aber dann, unterlagen sie Fribourg-Gotteron klar und deutlich mit 4:0 Niederlagen. Das hat zwar viel Geld in die Clubkasse gespült aber wie jedes Jahr  wird Ambri auch diese Saison seine finanziellen Sorgen nicht los. Aber das Problem hat dieser Kultklub seit Beginn seiner Gründung im Jahre 1937. Das Minus auf der Habenseite wird sich auch in den vielen Saisons die hoffentlich noch kommen werden nicht verringern. So auch nach der ersten Playoff-Qualifikation seit 2006 und einer erfolgreichen Saison sind die Probleme der Leventiner gleich wie die von den abgelaufenen Saisons: Die ewig strapazierten Finanzen, Spielerlöhne die Explodieren, die neue Pista Valascia und eine weitere Professionalisierung des Unternehmens. Die Macher des HCAP müssen sich in den Bereichen der Gastronomie, des Merchandisings und des Sponsoring erneut steigern. Erste gute Ansätze sind mit den Sky-Boxen und einem erweiterten Fanartikelangebot gut angelaufen. Im Bereich Marketing wurde mit Marcel Scheidegger ein neuer  Fachmann eingestellt. Hier erwarten die Verantwortlichen weitere Impulse und Wachstum. Auch im Sponsoring konnte man Boden gut machen. Erfreulich ist die Tatsache dass auch zwei Unternehmen aus dem Kanton Uri den HCAP in der kommenden Saison unterstützen. Positive News gibt es auch vom Saisonkartenverkauf. Obwohl die Preise in den letzten Jahren jeweils angepasst wurden sind etwas mehr als zwei Wochen vor Saisonbeginn bereits mehr als 3350 Saisonkarten verkauft worden. Dies bedeutet einen neuen Club-Rekord im Saisonkartenverkauf.

 

Weiter unter Kontrolle der National-Liga

Wie General Manager Alain Vetterli an der Medien-Pressekonferenz bekannt gab, soll das Ergebnis der abgelaufenen Saison besser als erwartet sein. Nicht zuletzt wegen den Zuschauereinnahmen. In den 27 Heimspielen (inkl. Playoffs) kamen im Schnitt  5650 Fans in die Valascia. Das sind im Schnitt 750 Fans mehr als in der Playout Saison 2012/13. Die Lizenz musste jedoch seitens des HCAP erneut hart erkämpft werden. Zudem ist man weiter unter der Kontrolle der National-Liga. Monatlich muss Ambris Finanzabteilung seine Bücher offen legen. Die Leventiner haben für die kommende Saison erneut eine Budget-Reduktion von einer halben Million Franken für die erste Mannschaft beschlossen. Einsparungen sind unter anderem durch den Wegfall der Saläre von Maxim Noreau sowie die Abgänge von Alain Miéville und Marc Reichert möglich geworden. Wie rot die Zahlen der Ambri Finanzen wirklich sind, wird erst an der Generalversammlung im Herbst präsentiert.  

 

„Never Change a Winning Team“ 

Im November 2013 hat der HC Ambri-Piotta den Vertrag des Teamcoach Serge Pelletier bis Ende der Saison 2015/16 verlängert. Die Leventiner Verantwortlichen bedankten sich beim 47-Jährigen Trainer für die tollen Leistungen anfangs Saison. Nach 22 Spielen lag Playout-Kandidat Ambri eher überraschend lange an der NLA-Tabellenspitze und holte sich die erste Playoff-Qualifikation nach 2006. Mit dieser vorzeitigen Vertragsverlängerung setzte der HCAP auf ein klares Zeichen der Kontinuität. Auch in der kommenden Saison setzt Ambri mit einem fast identischem Coaching Staff auf Kontinuität. Die Mannschaft konnte sich unter Serge Pelletier, Diego Scandella und Off-Ice Coach Dino Lauber in der letzten Saison weiter entwickeln und auch in heiklen Situationen (Verletzungsmisere) mehrmals gesunden Teamgeist beweisen. Einzig Goalietrainer Pauli Jaks wurde aus welchen Gründen auch immer ausgewechselt. Die Ambri-Legende wurde beim NLA-Klub in dieser Funktion durch den Kanadier Michael Lawrence abgelöst. Serge Pelletier und sein Coaching-Staff haben für die neue Saison ein erfolgshungriges und entwicklungsfähiges Team zusammengestellt. Mehr Masse und mehr Klasse heisst die Devise. 11 Spieler sind gekommen, 8 Akteure gegangen: Der HC Ambri-Piotta hat sich ein neues Gesicht verpasst. In Anbetracht der finanziellen Voraussetzungen – mit einem Budget von rund 12 Millionen Franken gehören die Leventiner weiterhin zu den Leichtgewichten der Liga – haben die Verantwortlichen um Sportchef Serge Pelletier dennoch vielversprechende Transfers getätigt. 

 

Goalie Rochade als Trumpf

Sandro Zurkirchen und Nolan Schaefer hatten sich in der abgelaufenen Saison im Tor von Ambri von Spiel zu Spiel äusserst erfolgreich abgewechselt. Die Goalie Rochade erwies sich im Nachhinein als Trumpf der Leventiner. Der kanadisch-schweizerische Goalie Nolan Schaefer (34) verlängerte dann aber seinen auslaufenden Vertrag bei HC Ambri-Piotta nicht und wurde durch Luganos Keeper Michael Flückiger (30) ersetzt. Böse Zungen behaupten im Nachhinein dass sich Nolan Schaefer gewaltig verpokert hatte und gerne geblieben wäre. Einmal mehr hatte ein Spielervermittler seinen Mandanten nicht optimal beraten. Ambri hat dann schnell reagiert und mit dem 30-jährigen Michael Flückiger einen erfahrenen Goalie an die Seite von Sandro Zurkirchen gestellt. Flückiger ist wahrscheinlich der eleganteste, beste Stilist aller aktiven Schweizer Goalies. Er spielte schon für Langnau, Kloten, Lugano und Zug in der höchsten Liga. Dabei hat er sich vor allem in Kloten den Ruf erworben, die beste Nummer 2 der Liga zu sein. 

Abräumer Ryan O'Byrne ersetzt Playmaker Maxim Noreau

Mitte Juli  ging es plötzlich ganz schnell. Verteidigungsminister Maxim Noreau erhielt vom NHL Team Colorado Avalanche einen Einwegvertrag über 2 Jahre und verabschiedet sich trotz eines gültigen Vertrags vorerst mal aus der Leventina. Der 27-Jährige Verteidiger kam in der Saison 2011/2012 zu Ambri und schlug ein wie eine Bombe. Trotz seiner Treue zum HCAP während den letzten drei Saisons sprach er sich immer offen darüber aus, dass sein grosser Traum die NHL ist und er nach Amerika zurück gehen wird, wenn sich einmal ein Türchen öffnen wird. Der HCAP hat auf den Abgang schnell reagiert und den 29-Jährigen Verteidiger Ryan O'Byrne verpflichtet. Kein Playmaker wie Maxim Noreau sondern ein 196cm grosser Hüne mit 106Kg Kampfgewicht. Ryan O'Byrne ist ein Defensiv-Verteidiger mit grosser Wasserverdrängung und hartem Spiel der Erfahrung von 333 NHL Spielen. In der Abwehr klafft mit dem Abgang von Maxim Noreau zwar ein grosses Loch. Doch die Vorbereitungsspiele haben gezeigt, dass andere Cracks in die Bresche springen können.  Mit dem Kanada-Schweizer Jesse Zgraggen und dem ehemaligen Freiburger Alain Birbaum hat man sich jedoch clever verstärkt. Jesse Zgraggen, mit 21 Jahren jüngster HCAP Verteidiger braucht sicher noch Zeit und muss Reifen. Ambris Coaching Staff wird den stämmigen Abräumer mit Urner Wurzeln behutsam in das Team integrieren und nicht von Beginn weg forcieren. Mit Alain Birbaum holte Ambri-Trainer Serge Pelletier einen alten Weggefährten aus Freiburger Tagen ins Tessin. Vom 28-jährigen Verteidiger werden offensive Impulse und Powerplayqualitäten erwartet, denn der beste Birbaum hatte man immer an der Seite eines erfahrenen Ausländers gesehen. Die neuformierte Defensive der Tessiner hat in den Testpartien einige Male gezeigt was in ihr steckt. In den acht Testspielen hat man im Schnitt drei Tore erhalten. Räumen die Verteidiger vor den eigenen Tor weiter so gradlinig auf und können mit mehr Einschüchterungspotenzial und noch mehr Wasserverdrängung sich noch besser zur Geltung bringen, kann man es weit bringen. 

 

Neuauflage des Atom Duo Keith Aucoin und Alexandre Giroux?

In der Offensive haben die Tessiner nach den Abgängen Alain Mievillé, Marco Pedretti, Richard Park und Marc Reichert sich mit Alexej Dostoinov, Jason Fuchs, Adrien Lauper und dem Rückkehrer Christian Stucki verstärkt.  Die beiden US-Amerikaner Adam Hall und Keith Aucoin komplimentieren das Ausländer-Quartett. Schon im Vorfeld der Saison wurde viel vom neuen Atom-Duo Alexandre Giroux und Keith Aucoin geschrieben. Die beiden kennen sich aus gemeinsamer Zeit beim AHL-Club Hershey Bears bestens und dürften für ähnlich viel Torgefährlichkeit wie seinerzeit Jean-Guy Trudel und Hnat Domenichelli sorgen. Zweimal gewannen die beiden Stürmer den Calder-Cup und waren in der Torschützenliste an vorderster Stelle an zu treffen. Keith Aucoin schaffte in der Saison 2009/10 35 Tore und insgesamt 106 Punkte in 72 Spielen und Alexandre Giroux hatte ihn mit 50 Toren überschattet aber nur deren 53 Assists (103 Punkte) in 69 Spielen gegeben. Mit Adam Hall konnten die Leventiner den Abgang von Richard Park ziemlich identisch kompensieren. Der NHL Profi überzeugte mit seiner Bullystärke und guter Übersicht in den meisten Testspielen. Ambri ist auch in der neuen Meisterschaft in der Offensive weniger abhängig von der ersten und zweiten Sturmlinie als letztes Jahr. Denn in den beiden anderen Sturmlinien kämpfen bestandene Profis und junge Talente um Einsatzzeit. Konkurrenzkampf belebt hoffentlich auch das Toreschiessen. Gespannt darf man sicher sein wie sich die Talente Jason Fuchs, Lukas Lhotak oder der pfeilschnelle Christian Stucki entwickeln. Die Leventiner müssen sich aber auch in der kommenden Saison wohl darauf beschränken, solide zu verteidigen, bei Bedarf schnell umzuschalten und überfallartig nach vorne zu spielen. Ein erfolgreiches Konzept wie die letzte Saison mehrmals zeigte.

 

Prognose

Ambris Trainerstaff hat seine Hausaufgaben über den Sommer erledigt und das Team umgebaut und auf diversen Positionen verstärkt. Coach Serge Pelletier hat  mit den NHL- und AHL Routiniers Adam Hall und Keith Aucoin dem Team mehr Stabilität und Spielwitz verliehen. In der neuen Saison haben die Leventiner auch mehr an Muskelmasse zugelegt und dadurch mehr Wasserverdrängung zu bieten. Die Neuzuzüge Ryan O'Byrne, Jesse Zgraggen, Alexej Dostoinov oder  Adam Hall und Adrien Lauper bringen allesamt mehr als 90kg auf die Waage. Im physischen Bereich konnte man so einen Schritt nach vorne machen. Was den Leventiner hingegen noch fehlt ist ein Provokateur wie es in früheren Jahren John Fritsche oder Mattia Baldi waren. Sie konnten mit steten Provokationen und einer Undiszipliniertheit im Richtigen Zeitpunkt das Spiel in andere Bahnen lenken. Was sicher ausschlaggebend sein wird sind die Überzahlspiele. Durch das vergrösserte Angriffsdrittel werden die Powerplays einen anderen Charakter zu bekommen. Die verteidigende Mannschaft steht tiefer in der Box als früher und überlässt der Überzahl-Mannschaft das weite Feld. Bald wird man sehen, ob dieser Trend, welcher in den Vorbereitungsspielen zu sehen war, auch in der Meisterschaft anhält. Ambri kann mit dieser ausgeglichenen und physisch stärkeren Mannschaft die Playoffs wieder erreichen. Dafür müssen jedoch die Teamstützen weitgehend verletzungsfrei bleiben, die beiden Goalies einen starken Rückhalt bilden und ein Top Team der Liga einen Einbruch erleiden. Die Euphorie der ersten Playoff-Teilnahme nach sieben frustrierenden Jahren hält an und verleiht dem Team weiterhin einen regelrechten Schub.

Text & Fotos: André Sägesser