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«Ambri ist trotz verpasstem Saisonziel optimistisch»

Saisonrückblick

Der HC Ambri-Piotta blickt auf eine gemischte Saison zurück. Nach Startschwierigkeiten und einem Trainerwechsel kämpften sich die Tessiner zurück und scheiterten im Playoff-Kampf nur knapp. Immerhin schaffte das Team von Hans Kossmann im Anschluss den Ligaerhalt locker.

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Die Auslegeordnung nach einem guten Abschluss in der Platzierungsrunde mit dem Liga-Erhalt in der Tasche sieht passabel aus. 10. Platz in der Qualifikation mit 18 Siegen aus 50 Spielen, 10. Platz der Zuschauerstatistik mit 5300 Fans im Schnitt. Ambri spielte bis zwei Runden vor Schluss immer noch um das Saisonziel Playoffs. Der Franco-Kanadier Serge Pelletier konnte letzte Saison die Tessiner immerhin in die Playoffs bringen. Die Leventiner Mannschaft, die am 11. September im Auswärtsspiel gegen Genf-Servette auf Punktejagd ging, hatte sich auf einigen Positionen verändert. Die neuen Ausländer Mikko Mäenpää und Cory Emmerton hinterliessen, wie auch die anderen Neuzuzüge während der Vorbereitung einen ermutigenden Eindruck. Einziges Manko der Leventiner in der Vorbereitung waren die rekonvaleszenten Spieler Paolo Duca, Michael Fora und Benjamin Chavaillaz welche den grössten Teil der Vorbereitung sowie etliche Partien der neu gestarteten Saison verpassten. Die neun Vorbereitungsspiele konnten gegen zum Teil starke Gegner deren fünf gewonnen werden. Die erste Partie der Saison 2015/16 ging dann aber sprichwörtlich in die Hosen. Trotz eines kapitalen Fehlstarts, die Genfer lagen nach 195 Sekunden gegen Ambri-Piotta noch mit 0:2 zurück, setzten sie sich am Ende aber mit 8:2 durch. Die Leventiner kamen nur schwer in die Gänge. Am 25. Oktober und nach acht Niederlagen in den letzten zehn Spielen und dazu der Sturz ans Tabellenende hatten dazu geführt, dass Serge Pelletier per sofort freigestellt wurde. Ironischerweise drei Tage nach dem HC Lugano feuerte auch Ambri-Piotta seinen Trainer. Ex-Fribourg-Coach Hans Kossmann übernahm den HCAP. In der Meisterschaft traf Hans Kossmann, der Tage zuvor als neuer Ambri Coach vorgestellt wurde, dann  auswärts gleich auf seinen alten Arbeitgeber. Trainer Hans Kossmann und Stürmer Thibaut Monnet feierten eine triumphale Rückkehr in der Freiburger Eishalle. Ausgerechnet gegen das bisherige Schlusslicht Ambri-Piotta musste Fribourg erstmals zu Hause als Verlierer vom Eis. Beim 5:2-Sieg der Tessiner zeichnete sich Alexandre Giroux als Doppeltorschütze aus. Auf den ersten Sieg unter Kossmann folgten gleich zwei Niederlagen. Doch dann begann die Eishockey-Philosophie des Schweiz-Kanadiers langsam zu greifen. 


Dossier Goalies

Bereits vor dem ersten Testspiel musste der neue HCAP Sportchef Ivano Zanatta unverhofft reagieren. Der neu verpflichtete Nolan Schaefer hatte den Klub gebeten, Ihn aus familiären Gründen per sofort von seinen Verpflichtungen zu entbinden. Mit sofortiger Wirkung wurde Tim Wolf an die Seite von Sandro Zurkirchen verpflichtet, welcher bis letzte Saison noch der Stammtorhüter der Rapperswil Jona Lakers war. Eigentlich wurde Tim Wolf verpflichtet, um Sandro Zurkirchen zu entlasten bzw. diesen mit starken Leistungen zu pushen. Doch sein Goalie-Konkurrent zeigte sich in allen Belangen überlegen, während Tim Wolf eine Saison zum Vergessen erlebte. Auch in der Platzierungsrunde konnte er seine Chance nicht packen, auch wenn ihm zu Gute gehalten werden muss, dass ihn seine Vorderleute nicht wirklich unterstützten. Denn der 26-Jährige Sandro Zurkirchen war der überragende Einzelakteur in den Reihen der Tessiner und vor allem dank ihm durfte der HCAP bis zum Schluss der Qualifikation an das Playoff-Wunder glauben. Der Schwyzer hatte sich in der abgelaufenen Saison definitiv als einer der besten NLA-Goalies etablieren können. Das Aufgebot für die Nationalmannschaft war für den HCAP Goalie die Bestätigung seiner guten Leistungen. Tim Wolf verlässt den HCAP nach nur einer Saison wieder und heuerte beim NLB Team La-Chaux-de-Fonds an. Sein Nachfolger könnte nun auch sein Vorgänger werden. Remo Giovannini, der beim HC La Chaux-de-Fonds noch einen Vertrag für die nächste Saison besitzt, mit einer Ausstiegsklausel für die NLA, gilt momentan als heisser Anwärter.

 

 

Dossier Verteidigung

Als Hans Kossmann den HC Ambri Piotta Ende Oktober übernahm, hielten die Leventiner die rote Laterne in der Hand. Unter der Leitung des Schweiz-Kanadiers fand der HCAP die Spielfreude wieder und entwickelte sich mit neuem Defensiv Konzept zum ernsthaften Playoff-Anwärter. Als echte Verstärkung für die Leventiner Defensive entpuppte sich Sven Berger, der vom Absteiger Rapperswil-Jona Lakers kam. Der 28-Jährige brachte Stabilität in die Defensive und wies in der Regular Season mit +17 die beste Bilanz des ganzen Teams auf. Leider machten ihm auch immer wieder Schulterprobleme zu schaffen. Einen weiteren Schritt nach vorne machte auch Jesse Zgraggen. Zwei Tore und 5 Assists in 43 Spielen können sich sehen lassen. Auch das Sorgenkind der letzten Saison Alain Birbaum blühte unter seinem ehemaligen Coach regelrecht auf.  Das Eigengewächs Michael Fora, wie Jesse Zgraggen damals aus der kanadischen Juniorenliga gekommen, zeigte eine gute Saison obwohl der Tessiner öfters verletzungsbedingt ausgefallen war. Ein grosses Fragezeichen war hingegen Benjamin Chavaillaz. Der 27-jährige Romand musste sich nach der letzten Saison an der Hüfte operieren lassen, verpasste die ganze Vorbereitung und die Spiele des ersten Qualifikationsviertels. Unter Serge Pelletier noch gesetzt, spielte der Verteidiger unter Hans Kossmann keine Rolle mehr und kam zum Einsatz nur wenn keine anderen Alternativen mehr verfügbar waren. Zudem wurde im November der Wechsel auf die neue Saison zu Freiburg-Gotteron hin publik. Die abgelaufene Saison zeigte jedoch dass die Verteidigung des HCAP vor allem körperlich doch auch spielerisch zulegen muss. Die Abgänge der eher körperlich limitierten Verteidiger Patrick Sidler und Alain Birbaum werden mit dem Freiburger Michael Ngoy, Klotens Franco Collenberg und dem Bieler Talent Igor Jelovac kompensiert. Die drei Neuzuzüge bringen je über 90 Kilogramm auf die Waage. Mit dem 20 jährigen Christian Pinana könnte ein weiteres Eigengewächs in der kommenden Saison zu Einsätzen kommen sei es beim HCAP oder beim Partnerteam Ticino Rockets. Talent ist auf alle Fälle genug vorhanden.

 

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Dossier Sturm

Die grösste Entwicklung durchlief Lukas Lhotak, Ambris 22-jähriger Tscheche mit Schweizer Lizenz. Der Flügelstürmer verdreifachte im Vergleich zum Vorjahr beinahe seine Torproduktion auf 14 Saisontreffer. Zusammen mit Daniele Grassi war Lukas Lhotak definitiv ein Lichtblick im HCAP-Kader und eine der grossen Entdeckungen in der NLA. Ebenfalls gut in Szene setzen konnte sich Thibaut Monnet. In Freiburg aussortiert, konnte der Walliser in Ambri seine Karriere neu lancieren. Lange war auch unklar was mit Inti Pestoni passiert. Bleibt er in Ambri oder zieht es ihn weg. In der Nationalmannschaftspause wurde das Rätsel dann gelöst. Sieger im Tauziehen um die Ambri Ikone wurden die ZSC Lions. So wurde seine letzte Saison für den HC Ambri-Piotta keine einfache - doch der 24-Jährige umschiffte die Klippen gekonnt. Trotz den Unruhen nach dem Bekanntwerden seines Wechsels bliebt die Integrationsfigur cool und avancierte zum Topskorer seines Teams. Ein versöhnlicher Abschied aus der Leventina. Wer den 40 Punkte Mann beim HCAP ersetzen wird darüber kann nur spekuliert werden. Nicht wirklich überzeugen konnten die beiden Neuzuzüge Olivier Kamber und Mark Bastl. Vor allem von der Verpflichtung des kreativen Centers Olivier Kamber erhoffte man sich in der Leventina viel. Zu viel? Fakt ist: Der 36-jährige Playmaker konnte nicht an die gute letzte Saison in Biel anknüpfen und verbuchte nur gerade drei Saisontreffer und 14 Assists . Mit -12 hatte er am Ende der Regular Season zudem die schlechteste Plus-Minus-Bilanz des gesamten Teams. Bei Mark Bastl scheiden sich die Geister. Der Romand kam überhaupt nicht auf Touren. Am Schluss der Qualifikation figurierte er oft als 13. Stürmer. Die fünf Tore und acht Assist sind zuwenig für einen Spieler mit einem solchen Palmares und Wasserverdrängung. Konkurrenz erhalten die beiden Team-Senioren vom 24-jährigen Eliot Berthon  (Biel) der eine ähnliche Spielanlage wie Daniele Grassi hat und dem Lugano Stürmer Diego Kostner. Gelingt dem HCAP ein Transfer-Coup als Ersatz für Inti Pestoni sind die Leventiner besser aufgestellt als die vergangene Saison.

 

Dossier Ausländer

Die vier Ambri-Ausländer spielten im Allgemeinen eine solide Qualifikation. Leider reichten die 130 Punkte welche die vier Söldner zusammen erzielten in diesem Fall nicht für die Playoffs. Hauptsächlich in den wichtigen Partien gegen Ende der Qualifikation konnten Alexandre Giroux, Cory Emmerton, Adam Hall und Mikko Mäenpää nicht über sich hinauswachsen. Cory Emmerton zeigte einige gute Spiele, verschwand aber auch einige Partien völlig vom Bildschirm. Obwohl Verteidiger Mikko Mäenpää, Ambris bester Offensivspieler war, konnte der Finne nicht immer überzeugen. Auf eine gute Aktion folgten meistens einige Unkonzentriertheiten. Zach Hamill und Markus Nordlund, die beiden Ersatzausländer konnten die Differenz nicht ausmachen und auch keinem der vier Gesetzen den Platz streitig machen. Und Alexandre Giroux? Der Kanadier konnte sich nicht mehr so in Szene setzen wie in der letzten Saison. Zwar hatte der Stürmer nur vier Punkte weniger als in der letzten Spielzeit auf dem Konto, war aber nie mehr so kaltblütig vor dem Tor. Matchentscheidende Tore gelangen ihm zu selten. Dass die beiden Kanadier Cory Emmerton und Alexandre Giroux am Spengler-Cup spielten darf jedoch nicht als Grund für Torimpotenz hinhalten. So wird es Veränderungen auch auf den Ausländerpositionen geben. Neben Alexandre Giroux, der keinen Vertrag mehr bekommen wird, dürfte auch Mikko Mäenpää seinen Kabinenschrank räumen. Der Finne dürfte es zum SC Bern ziehen, wo der finnische Nationaltrainer Kari Jalonen einen Job bekommen soll. Zwei Söldner haben auch nächste Saison einen gültigen Vertrag: Nämlich Cory Emmerton und Adam Hall. Noch vor Tagen ging im Tessin das Gerücht umher dass Adam Hall aus gesundheitlichen Gründen seinen Vertrag auflösen möchte. Der Bullyspezialist meldete sich umgehend und versprach sein Vertrag zu erfüllen. Man tendiert für kommende Saison erneut mit drei Stürmern und einem Verteidiger zu spielen. Heisser Kandidat für den Stürmerposten ist der 27-jährige SCL Tigers Stürmer Kevin Clark. 66 Tore in zwei DEL Saisons ähneln stark an den Skorerwerten von Alexandre Giroux. Nur ist der Kanadier doppelt so schnell wie Ambris Torschütze vom Dienst. Und da ist dann noch die Personalie Maxim Noreau. Wie jedes Jahr beginnen am Ende der Saison die Spekulationen um den Offensivverteidiger. Fakt ist das Maxim Noreau immer noch in der American Hockey League (AHL) herumtummelt und seinem Ziel in der NHL Fuss zu fassen in den zwei letzten Jahren keinen Schritt weiter gekommen ist.

 

 

Dossier Special Teams

Immer mehr machen Power – und Boxplay in der Schweizer Meisterschaft die Differenz aus. Ambri, als eher schwächer besetztes Team ist daher auf ein gut klappendes Powerplay angewiesen. Doch genau in diesem Bereich harzte es bei den Leventinern. Nur 28 Treffer in Überzahl und eine Powerplay-Quote von 16% bedeuten einen schwachen Wert. Gemäss Statistik, den zweitschwächsten der Liga. Nur der Aufsteiger SCL Tigers war schlechter. . Servette-Genf als Ligakrösus kam dabei auf über 25 Prozent Überzahlausbeute. Das brutale war jedoch dass weder unter Serge Pelletier noch Hans Kossmann das HCAP Powerplay funktionierte. Egal wer mit wem auf dem Eis agierte. Am Schluss fehlte dem HCAP am Ende der Saison nur gerade ein Punkt auf den achten Platz. Nicht nur einzelne Partien gegen Strichkonkurrenten, welche zum Teil unglücklich verloren gingen waren ausschlaggebend, sondern auch die Verlängerungen. Die Overtime- bzw. Penalty-Statistik zeigt gnadenlos auf wo die fehlenden Zähler in der Endabrechnung liegengeblieben sind. In 10 Versuchen, sich den Extrapunkt zu holen, klappte bei den Leventiner nur gerade zwei Mal. Einmal mittels Tor in der Verlängerung und einmal nach Penaltieschiessen. Gar sechs Mal erhielt der HCAP mit einem Mann mehr auf dem Eis ein Tor. Während den Leventinern in 50 Spielen immerhin 4 Shorthander-Tore gelangen. Hier gilt es für den Trainerstaff die Sache zu analysieren und die Lehren daraus zu ziehen. Ein bitterer Nachgeschmack für die gute Ambri-Saison bleibt trotzdem. Nie wäre es einfacher gewesen, durch das Schwächeln einiger gestandener Playoff-Teams (Bern, Kloten und Freiburg) unter die ersten Acht zu kommen. Man darf sich gar nicht vorstellen, wie die Saison gelaufen wäre, wenn Hans Kossmann die Tessiner ein paar Runden früher oder bereits zum Saisonanfang übernommen hätte.

 

 

Nach der Saison ist vor der Saison

Es war unausweichlich: Nach der 7:0 Kanterniederlage einer nicht wiederzuerkennenden Mannschaft in Lausanne, musste sich Ambri Präsident Filippo Lombardi  so einiges anhören. Es war ein Teil  der unangenehmen Aufgaben eines Präsidenten, auch wenn er nicht selber auf dem Eis aufläuft. Natürlich war auch der Ambri-Boss der erste bitter Enttäuschte, zusammen mit dem ganzen Verwaltungsrat und allen Mitarbeitern des HCAP, welche während des ganzen Jahres Ihre Seele für den Klub hergaben und nun zusammen mit den Fans die Saison mit einem leicht bitteren Geschmack im Mund beenden mussten. 

 

Beim Saisonabschluss-Anlass vor ein paar Tagen in Castione blickte HCAP Präsident Filippo Lombardi dennoch optimistisch noch einmal auf die vergangene Saison zurück und legte den Fokus dabei nicht nur auf die erste Mannschaft, sondern auch auf die verschiedenen Erfolge im Juniorenbereich. Ambris Elite-Junioren schafften mit einem Effort in den letzten Spielen in die Playoffs. Die Novizen des HCAP haben nach dem letztjährigen Abstieg in die “Top” Klasse den sofortigen Wiederaufstieg in die “Elite” geschafft. Der Hockey-Sommer kann trotzdem heiter werden. Wichtig ist nun, dass von Trainerstaff aus die richtigen Lehren und Konsequenzen aus dieser Saison gezogen werden .Einige Posten sind beim HCAP noch offen. In den kommenden Tagen und Wochen bevor die 1.Mannschaft des HCAP bereits wieder das Sommertraining in den Angriff nimmt sind viele Entscheidungen zu treffen. Diesmal gleich zweispurig. Denn in der kommenden Saison verfügt der HCAP mit den HCC Ticino Rockets über ein Partnerteam. Das neue Team gilt es mit erfahrenen und hungrigen Talenten zu bestücken. Denn auch in Zukunft muss es der technischen Kommission gelingen, talentierte und günstige Spieler nach Ambri oder nach Biasca zu lotsen. Mit dem Ausnahmetalenten Michal Chmel auf dem Goalieposten, die Stürmer Noelle Trisconi und Roman Hrabec sowie die Verteidiger Christan Pinana und  Dylan Giannini reifen viel versprechende Spieler aus den eigenen Reihen heran. Schlussendlich kann Ambri nur dank einigen Nachwuchspielern erfolgreich arbeiten und vor allem auch weiter überleben. Eines ist aber wohl den meisten Ambri-Fans klar: Auch für die kommende Saison ist ein Platz unter den ersten acht Teams ohne namhafte Verstärkungen eine sehr hohe Hürde. Sportlich gesehen wird in den nächsten Tagen oder Wochen sicher der eine oder andere Transfer bekannt gegeben. Offen sind noch ein Back-Up Goalie, zwei Ausländerpositionen und ein oder zwei Spieler auf der Sturmposition mit Skorerqualitäten. Denn mit den beiden Tessinern Inti Pestoni und Daniele Grassi verliert der HCAP knapp 60 Skorerpunkte. Diese gilt es zu ersetzen sonst wird es erneut schwer die Playoffs zu schaffen.

 

 

Text & Fotos: André Sägesser