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Das letzte La Montanara für Peter Jaks

 

Hommage an Ambri Legende Peter Jaks 1966-2011

Das letzte La Montanara für Peter Jaks


Ein grosser des Schweizer Eishockey ist still und leise abgetreten. Ambri Legende Peter JaksPeter Jaks Ambri verunglückte bei einem Zugunfall. Der 45 jährige hinterlässt drei Kinder, unzählige Rekorde und viele Fragen.
Text und Foto von André Sägesser
Das Unfassbare ist leider wahr geworden. Bis zuletzt hatte man eine Funken Hoffnung, dass sich alles zum Besten wendet. Wie viele andere Ambri Fans durfte auch ich die ganze Karriere von Peter Jaks hautnah miterleben. Das erstes Spiel und das erste Tor im Dress von Ambri, die geplanten Wechsel zum EHC Arosa, zum SC Bern, die vollzogenen Wechsel zum HC Lugano und zum ZSC. Später als UW Berichterstatter hatte ich bei Interviews, Pressekonferenzen etc. engen Kontakt. Und doch hatte er in seinem Leben als Hockeyprofi, bei vielen Ambri-Fans über Jahre, sogar Jahrzehnte nicht die Wertschätzung gebracht, die Peter Jaks verdient hätte. Nicht immer alles ist im harten, zum Teil undurchsichtigen und hinterlistigen Eishockey Business mit rechten Dingen geschehen. Auch beim Spieler und späteren Ambri Sportchef Peter Jaks nicht. Aber auch in der Zeit in der es bei Ambri überhaupt nicht lief, stand er immer sein Mann. Für die Fans und Hobby-Journalisten wie mich hatte er immer ein offenes Ohr und hatte unsere zum Teil kritischen Mails fachmännisch, kollegial und messerscharf beantwortet. So kaltblütig er auf dem Eis war, so zurückhaltend trat er daneben auf. Er blieb distanziert und wurde deshalb von den Anhängern in den diversen Schweizer Stadien zwar respektiert und geachtet, aber nur selten geliebt. Peter Jaks kam und ging ohne grosse Worte. Auf diese Weise hat er nun auch seine letzte Reise angetreten. Er lässt nicht nur die Eishockeyszene, sondern auch sein engstes Umfeld fassungslos zurück. Noch immer kann man es nicht fassen, was geschehen ist. Peter Jaks ist nicht mehr unter uns. Er hat seinem Leben ein abruptes Ende gesetzt. Leider ist es sehr häufig, dass Menschen, die gegen aussen fröhlich, gesellig, gutmütig und hilfsbereit sind - und das war Peter Jaks auf jeden Fall - sich nicht ins Innere blicken lassen. Sie sind verschlossen und fressen alles in sich hinein, sind sich vielleicht auch zu schade oder zu stolz, Hilfe anzunehmen. Über die Beweggründe für den Freitod von Peter Jaks kann nur spekuliert werden. Dieses Geheimnis nimmt er nun mit ins Grab.
Einer der gefährlichsten Stürmer auf Schweizer Eis
Peter Jaks kam am 4. Mai 1966 in Frydek-Mistek in der damaligen Tschechoslowakei zur Welt. Als Jugendlicher kamen er und sein Bruder Pauli in die Schweiz, in den Kanton Schaffhausen. Nebst dem Hockey, welches er bei GDT Bellinzona und dem HC Ascona erlernte, absolvierte er eine KV-Lehre. Danach wechselte er zum HC Ambri-Piotta, wo er in der Saison 1983-84 in der NLB als knapp 18jähriger debütierte. Das erste Tor erzielte Peter Jaks damals noch mit der Nummer 8 auf dem Eis unterwegs am 3.März 1984 beim 10:6 Heimsieg über Visp. Es folgten im bedeutungslosen letzten Saisonspiel in Olten gleich deren drei (8-10 Niederlage). In der darauffolgenden Saison, in welcher der HCAP in die NLA aufstieg, buchte er in 39 Spielen bereits sagenhafte 30 Tore und war damit wesentlich am Aufstieg beteiligt. Der Scharfschütze war bereits im Schweizer Eishockey angekommen. Ab der Saison 1985-86 tauschte er die Nummer 8 gegen die 19 welche nun zur Legende geworden ist. Dank Spielintelligenz und Ansatzlosen Schuss reifte er schnell zu einem der gefährlichsten Stürmer auf Schweizer Eis. Er wurde der erfolgreichste Stürmer aller Zeiten, das unterstreichen seine vielen Rekorde. In den folgenden zwei Jahren (1985 bis 1987) buchte er in 77 Spielen sagenhafte 62 Tore und 38 Assists. 1987 ist aus zweierlei Dingen erwähnenswert: Peter Jaks debütierte an der A-Weltmeisterschaft (10 Spiele, 3 Tore, 4 Assists). Doch für viel mehr Aufruhr sorgte sein Wechsel zu Lugano. Nach vier Saisons bei Ambri ging er 1987 nach Lugano – von Airolo bis weit hinunter ins Südtessin war das ein Verbrechen. Früher viel schlimmer als Heute. Mit Lugano wurde er zwar Schweizer Meister
aber trotzdem durfte er zwei Jahre später zurück in die Valascia. In Lugano hatte die Nestwärme gefehlt. Für die Biancoblu folgten neun Saison mit unzähligen Toren und Assists. Peter Jaks buchte jedes Jahr mehr als ein Punkt pro Spiel, 143 Mal führte er die Squadra als Captain. Im Herbst seiner Karriere wechselte 1998 er zu den ZSC Lions, wurde mit den Zürchern zweimal Meister. 2003 beendete er seine aktive Karriere. Auch als Sportchef beim HCAP konnte er Erfolge vorweisen. Unvergessen sind die Transfers von Jean-Guy Trudel, Hnat Domenichelli, Erik Westrum und Zdenek Kutlak. Zudem machte er sich stark dass ehemalige Bianco Blu wie Paolo Duca, Alain Demuth und Reto Kobach wieder zum HCAP zurückkehrten. Im Frühling 2009 wurde er unter komischen Umständen entlassen und arbeitete seit da als Eishockey-Experte beim Tessiner Fernsehen.

 

Gern gesehener Gast im Urnerland


Immer wieder war Peter Jaks ein gern gesehener Gast im Urnerland. Früher als Spieler an den diversen Autogrammstunden oder als Überaschungsgast an den General- versammlungen des Donatoren-Clubs HCAP. So war er als Sportchef des HCAP der eigentliche Höhepunkt der Generalversammlung. Exklusiv für den Donatoren-Club stand er für zum Teil den kritischen Fragen der Mitglieder immer Red und Antwort. Fragen, die er aber nur in diesem kleinen Kreis beantworten wollte und bei denen er an die Diskretion der Anwesenden appellierte. Der Rekordtorschütze des HCAP liess jeweils durchblicken, welches die wirklichen Gründe für seine Entscheide waren. Mit seiner sympathischen Art und fachmännischen Ausführungen zog Ambris Rekordtorschütze die Anwesenden immer wieder in seinen Bann. Peter Jaks nimmt sein Geheimnis mit ins Grab. Das sollten wir respektieren. Und wenigstens einen Moment lang innehalten in dieser hektischen Zeit und die Erinnerung an einen wunderbaren Sportler und Menschen bewahren. Die Welt verliert einen grossen Eishockey Spieler. Deine Auftritte in der Leventina bleiben unvergessen. Danke Peter Jaks.

 

 

Peter Jaks :


Geburtsdatum: 4. Mai 1966
Todesdatum: 5. Oktober 2011
Position: Stürmer
Vereine: 1983-2003 – Ambri, Lugano, ZSC Lions. Von 2003 – 2009 Sportchef von Ambri.
Karriere: 852 Nationalliga-Spiele, 943 Punkte (521 Tore, 422 Assists), 149 Länderspiele (46
Tore, 6 WM-Teilnahmen, 2 Mal an Olympia), drei Meistertitel (1988, 2000, 2001).
13 nationale Rekorde, die Peter Jaks hält:
– meiste Tore in der Qualifikation: 435
– meiste Tore insgesamt: 487
– meiste Powerplay-Tore in der Qualifikation: 109
– meiste Powerplay-Tore gesamt: 123
– Game-Winning-Goals in der Qualifikation: 58
– Game-Winning-Goals insgesamt: 66
– Tore zum Unentschieden in Qualifikation: 10
– Höchste Anzahl Tore zum Unentschieden gesamt: 10
– meiste Punkte in der Qualifikation: 783
– meiste Punkte insgesamt: 894
– meiste 1. Assists in der Qualifikation: 245
– meiste 2. Assists in der Qualifikation: 103
– meiste Assists in der Qualifikation: 348