Berichte
Saisonvorschau 2011/2012
Das neue Ambri: Mit Konkurrenzkampf und mehr Aggressivität in Richtung Playoffs
Seit Coach Kevin Constantine beim HCAP an der Bande steht weht ein Hauch NHL Brise durch die Valascia. Ambris neues Team ist jünger, fitter und unberechenbarer..
Text und Fotos von André Sägesser
Am 9. September startet der HCAP zum ersten Spiel der Saison auswärts gegen den EHC Biel in seine 75 Jahr Jubiläums Saison. Ein weiteres Eishockeyabenteuer in der NLA. Das Ambri überhaupt noch in der NLA ist, haben die Tessiner der Glücksgöttin Fortuna und dem unbändigen Willen nicht abzusteigen zu verdanken. Die Leventiner sind mit einem blauen Auge aus der letztjährigen Ligaqualifikation davon gekommen. Nicht nur sportlich hatten die Tessiner nichts zu lachen- auch finanziell wurde die Situation äusserst prekär. Am Ende der Saison häufte sich ein Verlust von über 3 Millionen Franken an. Eine geschichtsträchtige Abstimmung unter den Aktionären ergab, dass man in der NLA verbleiben will. Ein Abstieg in die Niederungen der Amateurliga oder gar eine Auflösung des Vereins stand aber nie zur Debatte. Das grosse Defizit wurde mittels einer weiteren Spendenaktion abgetragen. Neue Saison- neues Glück? Präsident Filippo Lombardi und seine Crew hat aber die Situation rings um den Traditionsverein eingehend analysiert und die Lehren aus der sportlichen und finanziellen Talfahrt gezogen. Ambri will und muss sich strukturell verbessern. Mit mehr Effizienz und Professionalität im Verwaltungsrat und der internen Organisation startet man ins 75 Jahr Club-Jubiläum. Neu zur HCAP SA kommt Rolando Marzano. Der ehemalige Trainer vom Partnerteam Chiasso und ein bestens ausgewiesener Treuhänder wird Finanzchef (CFO) und Stellvertreter von Jean-Jacques Aeschlimann. Neue Chefin im Bereich Gastro ist Luana Bonini, welche das Stadionrestaurant Osteria Valascia leitet. Hier hat der HC Ambri-Piotta viel Verbesserungs- und Vergrösserungspotential. Ambri hat also schon im Vorfeld viel unternommen, um in eine bessere neue Saison zu starten.

Coaching Staff
Thomas Bäumle vor wegweisender Saison
Mit Thomas Bäumle steht bei Ambri einer der besten vier Schweizer Torhüter zwischen den Pfosten. Der Solothurner konnte seine letzte hervorragende Saison bestätigen und vermochte den HC Ambrì-Piotta in schwierigen Partien im Spiel zuhalten. Das eine oder andere Mal konnte Ambris Publikumsliebling gar ein Zeichen setzen und mit spektakulären Paraden Niederlagen in extremis abwenden. Doch seit Kevin Constantine in Ambri das sagen hat, ist der Torhüter mehr ins Scheinwerferlicht geraten. Der Ambri Coach war früher selbst Torhüter, wenn auch nur ein mittelmässiger, aber der Amerikaner weiss genau wie er es auf der Torhüterposition am liebsten hätte. Ganz klar will Bäumle die Leistungen noch verbessern und weiterhin die unbestrittene Nummer 1 im Ambri Tor sein. Bäumles Vertrag beim HCAP läuft Ende Saison aus und der Solothurner möchte sich für kommende Transferverhandlungen in eine gute Position bringen. Eine Win-Win Situation also für beide Parteien. Eine Vertragsverlängerung von Thomas Bäumle beim HCAP hängt allerdings von diversen Faktoren ab. Zu einem wird interessant sein wie sich das Goaliekarussell der NLA dreht. Gibt es ein Rücktritt oder einen Abgang ins Ausland eines NLA-Goalies, wird es zu einigen Rotationen kommen. Zum anderen ist bis heute immer noch nicht definitiv wer Reservegoalie beim HCAP wird.
Maxin Noreau als Hoffnungsträger
Die Verteidigung ist jünger und körperlich stärker geworden. Mit Pascal Müller (ZSC Lions), Adrian Trunz (EHC Biel) und Patrick Sidler (Kloten Flyers) wurden die Abgänge bestmöglich ersetzt. Kevin Constantines Trumpf dürfte aber der 24-jährige Maxim Noreau werden. Dem Wunschkandidat und ehemalige Schützling des Ambri Coaches gelangen in der vergangnen AHL Saison 66 Skorerpunkte für die Houston Aeros in 100 AHL-Partien. Zudem verfügt der kanadische Verteidiger auch über NHL Erfahrung. Dank dem Zuzug des Kanadiers Maxim Noreau wird Ambri im Powerplay und Boxplay stärker agieren können. Mit diesem Spieler scheint dem HCAP ein grosser Wurf gelungen zu sein. Ambri wird vermutlich nicht darum kommen, schon im November den neuen Hoffnungsträger längerfristig an den HCAP zu binden. Denn es wird wohl nicht lange dauern bis die finanzstarken Grossclubs mit dem Checkbuch wedeln werden und probieren Maxim Noreau dem HCAP abzujagen.

Offensive
Prognose
Filippo Lombardi und seine Crew will keine solche Horrorsaison mehr erleben, sei es wegen den vielen Verletzungen, der Playouts mit der Rettung gegen Visp im letzten Moment oder dem finanziellen Balanceakt. Viel hängt beim HC Ambri-Piotta auch diese Saison davon ab wie der Start in die Meisterschaft gelingt. Auf keinen Fall will man nicht schon im November wieder abgeschlagen am Tabellenende stehen. Das würde der finanziell angeschlagene Club kein zweites Mal verkraften. Eine Prognose ist also schwierig. Zu viele Fragen sind offen: Wer schiesst die Tore? Halten Erik Westrum und Zdenek Kutlak nach ihren schweren Hirnerschütterungen die lange Saison durch? Kann sich Thomas Bäumle mit einer Topsaison ein Denkmal in der Valascia setzen? Können die Jungen Inti Pestoni, Gregory Hofmann, Giacomo Casserini und Daniele Grassi noch einen Zacken zulegen? Die Qualität des Teams für die Playoffs ist vorhanden. Ein ausgewiesener Trainerstaff an der Bande auch. Doch kommen auch die Fans wieder in Scharen in die Valascia? Denn seit Larry Huras während der Finalissima-Saison 1999, hat es kaum mehr ein Trainer in Ambri geschafft, sowohl im Verein als auch bei den Fans eine Euphorie zu entfachen. Es wäre zu hoffen, dass die Brise NHL Luft welche Kevin Constantine in der Leventina entfacht hat, länger andauert als wenn der Nordföhn für ein paar Tage vom Gotthardpass hinunter bläst.




